„Ein Viertel der Deutschen hat sehr schlechten Zugang zu Bus und Bahn“ – diesen erschreckenden Fakt hat Greenpeace mittels einer Studie festgestellt. Ganz besonders schlimm soll es demnach in Bayern und Niedersachsen sein. Aber auch in NRW gibt es Kommunen, die vom Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) beinahe abgeschnitten sind.
Greenpeace hat nun eine interaktive Karte erstellt und ermittelt, wie gut beziehungsweise schlecht die ÖPNV-Qualität in den jeweiligen Regionen Deutschlands ist. Und NRW liegt da bei Weitem nicht vorne.
NRW: ÖPNV zu 18 Prozent sehr schlecht
Die Umweltschutzorganisation hat vor allem die Erreichbarkeit für Bürger von insgesamt 11.000 Gemeinden und Landkreise der Bundesländer untersucht. Für NRW kam dabei heraus, dass der ÖPNV für 18 Prozent der Bevölkerung sehr schlecht zu erreichen ist. Das ist im Vergleich mit anderen Regionen zwar noch verhältnismäßig gut, aber dennoch ein Armutszeugnis für ein eigentlich gut vernetztes Bundesland.
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„Die Ergebnisse unterstreichen ein deutliches Stadt-Land-Gefälle: Während rund 78 Prozent der Menschen in kreisfreien Großstädten von gutem oder sehr gutem ÖPNV (Güteklassen A-B) profitieren, sind es in dünn besiedelten ländlichen Kreisen lediglich 11 Prozent. Die Hälfte der Menschen (52 Prozent) sind dort vom ÖPNV abgehängt“, zieht Greenpeace den Rückschluss.
NRW: Großteil bekommt Note D
Zu den Sorgen-Regionen gehören vor allem Borken und der Oberbergische Kreis. Hier sind über 50 Prozent der Bevölkerung vom ÖPNV abhängig, Greenpeace gibt den Regionen jedoch nur die Güteklasse E von A bis F. Die Güteklasse A erhalten dafür Essen, Bochum, Dortmund, Düsseldorf und Köln. Was wenig überrascht: Vor allem im Ruhrgebiet scheinen die Anbindungen gut zu sein. Auch Duisburg, Oberhausen oder Gelsenkirchen erhalten noch ein B, Recklinghausen und Aachen ein C und alles weiter im Norden, Osten und Westen erhält nur noch ein D.
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Lediglich bei den „On-Demand Verkehren“ wie den Kleinfahrzeugen, die auf Bestellung flexibel im Bereich der jeweiligen Nahverkehrsunternehmen unterwegs sind, hat NRW die Nase vorn. Ob mit dem „MyBus“ der DVG durch Duisburg oder dem „Bussi“ der Ruhrbahn durch Essen und Mülheim – hier kommen Bürger auch außerhalb der üblichen Verkehrszeiten für einen kleinen Aufpreis zum herkömmlichen Ticket ans Ziel.
NRW: Greenpeace fordert Mindeststandards
„Bund und Länder reden gern über ehrgeizige Ziele für den Ausbau des Nahverkehrs, aber sie kneifen, wenn es um die dafür nötigen Mittel geht”, zieht Lena Donat, Greenpeace- Mobilitätsexpertin, ihr Fazit. „Es ist ein verkehrspolitisches Alarmsignal, dass im Jahr 2025 noch immer bei einem Viertel der Menschen kaum ein Bus, geschweige denn eine Bahn fährt. Guter Nahverkehr garantiert, dass alle zum Einkaufen, Arzt oder Schwimmbad fahren können, und sorgt für bezahlbaren Klimaschutz. Die kommende Bundesregierung braucht einen Nahverkehrs-Turbo.”
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Was es jetzt braucht? „Einen einheitlichen Mindeststandard für akzeptablen ÖPNV. Nur mit verlässlichen Verbindungen – alle 10 Minuten in der Stadt, alle 30 Minuten auf dem Land, von früh bis spät – werden Menschen nicht länger von einem eigenen Auto abhängig sein.”