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Germanwings-Absturz: Witwe des Piloten geht an die Öffentlichkeit – ihre Worte rühren zu Tränen

Nach der Germanwings-Tragödie hielt sich die Witwe des Kapitäns lange aus der Öffentlichkeit heraus. Jetzt gehen ihre Worte ans Herz.

© IMAGO/Panama Pictures/Christoph Hardt

Tod und Trauer: Hier kannst du dir helfen lassen

Zehn Jahre sind seit der Germanwings-Tragödie am 24. März 2015 vergangen. Damals stürzte ein Airbus 320 der Lufthansa-Tochter auf dem Weg von Barcelona zum Flughafen Düsseldorf über den französischen Alpen ab.

150 Menschen ließen bei dem Flugzeug-Absturz ihr Leben, darunter auch Patrick Sondenheimer, der die drohende Katastrophe noch verhindern wollte – doch vergeblich. Die Witwe des verstorbenen Kapitäns der Germanwings-Maschine hielt sich lange in der Öffentlichkeit zurück. Mittlerweile hat sie eine Stiftung gegründet und dafür 2024 den Verdienstorden des Landes NRW erhalten. Ihre Schilderungen des Unglückstages gehen ans Herz.

Germanwings-Absturz: Kapitän schickte letzte Nachricht an seine Frau

Für Annika Sondenheimer hatte der 24. März 2015 wie jeder andere begonnen, wie sie in der WDR-Dokumentation „Der Germanwings-Absturz“ erzählt. Ihr Mann war bereits auf dem Weg zur Arbeit, während sie die gemeinsamen Kinder (damals 3 und 5) fertig für die Kita machte. Danach ging es ab zur Arbeit im Landtag. Hier bekam sie die Nachricht von ihrem Mann aus Barcelona.


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Patrick Sondenheimer erkundigte sich, wie der Morgen lief und kündigte an, dass es gleich zurück nach Düsseldorf ginge. Sie ahnte nicht, dass es die letzte Nachricht ihres Mannes werden sollte. Niemand hatte kommen sehen, dass der Co-Pilot Andreas Lubitz zu der Zeit unter schweren Depressionen gelitten hatte. Dass er seinen Suizid geplant hatte und dabei 149 unschuldige Menschen mit in den Tod reißen sollte (mehr dazu hier >>>).

Die Nachricht vom Absturz der Maschine erhielt Annika Sondenheimer im Landtag. Als die damalige NRW-Ministerpräsidentin die Fraktion davon in Kenntnis setzte, spürte die Juristin nach eigenen Angaben sofort, dass es der Flug ihres Mannes war. In der Dokumentation schildert sie, wie ihr gleichermaßen heiß und kalt wurde, wie sie plötzlich Teil einer Schicksals-Gemeinschaft einer immensen Zahl trauernder Angehöriger wurde.

„Ich habe gesagt, dass dem Papa was passiert ist“

Die junge Witwe musste damals allerdings auch in ihrer Rolle als Mutter funktionieren. „Ich habe mit meinen Kindern darüber gesprochen. Ich habe gesagt, dass wir davon ausgehen müssen, dass dem Papa was passiert ist. Dass das Flugzeug nicht in Düsseldorf angekommen ist“, erinnert sich die heute 45-Jährige. Die Zeit nach dem Absturz sei komplett überfordernd gewesen.

Während viele Hinterbliebene die Frage nach dem „Warum“ besonders quäle, sagt die Witwe des Kapitäns in der WDR-Dokumentation: „Patrick ist jetzt tot. Und alle anderen aus dem Flugzeug sind auch tot. Damit ist er nicht mehr und das ist eigentlich das, was uns unser Leben lang beschäftigt.“ In der Verarbeitung der Tragödie seien ihr Trauerbegleiter eine immense Hilfe gewesen.


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Deshalb habe die 45-Jährige den „Patrick Sondenheimer Stiftungsfond“ gegründet. Er soll Trauernde, die Hilfe benötigen, unterstützen. Insbesondere richtet sich das Angebot an Kinder und Jugendliche. Aus eigener Erfahrung weiß die Witwe, wie schwer es fällt, Heranwachsende in der Trauer zu begleiten. „Ich war hilflos. Wie konnte ich meinen Kindern den Verlust ihres Vaters begreiflich machen? Wie die Erinnerungen bewahren?“, beschreibt sie auf der Webseite der Stiftung ihre eigenen Gefühle.

Die Stiftung gründete Annika Sondenheimer mit dem Geld einer großen Spendenaktion aus dem Kollegenkreis des Piloten. „Mit der Gründung des Stiftungsfonds in Patricks Namen schaffe ich etwas, das die Erinnerung bewahrt und uns zusammenhält. Ich kann meine Erfahrungen weitergeben und dadurch gezielt helfen“, erklärte Annika Sondenheimer und hofft, damit viele Trauernde erreichen zu können.

Du möchtest spenden? Hier findest du alle notwendigen Informationen >>>

>>Anmerkung der Redaktion<<

Zum Schutz der betroffenen Familien berichten wir normalerweise nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit.

Wer unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leidet oder jemanden kennt, der daran leidet, kann sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie ist erreichbar unter der Telefonnummer 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.