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Duisburg-Marxloh vor der Bundestagswahl: „Grausam, grausam“

Am 23. Februar wird in Deutschland gewählt. Kurz vorher war DER WESTEN in Duisburg-Marxloh unterwegs und hat sich bei den Anwohnern umgehört.

© Charmaine Fischer / DER WESTEN

Warum heißt Duisburgs Stadtteil Marxloh eigentlich Marxloh?

Bei vergangenen Wahlen fiel Duisburg durch eine geringe Beteiligung auf – besonders der Norden der Stadt. Außerdem konnte die AfD in dem Brennpunkt ordentlich Stimmen sammeln. DER WESTEN hat sich wenige Tage vor der Wahl in Marxloh umgehört.

Bier gegen die geringe Wahlbeteiligung: Dieses Konzept verfolgte die Stadt Duisburg dieses Jahr bereits zum zweiten Mal. Wer am Samstag (15. Februar) seine Stimme abgegeben hat, bekam ein Bier-Gutschein geschenkt (wir berichteten). Eine Maßnahme, die einen traurigen Hintergrund hat. Wie der WDR berichtet, hatte der Wahlkreis Duisburg-Nord bei der Bundestagswahl 2021 mit 63,3 Prozent die bundesweit niedrigste Wahlbeteiligung!

Duisburg-Marxloh: „Werde nicht wählen“

Zudem auffällig im Duisburger Norden: Bei den Europawahlen im Vorjahr war Neumühl die Duisburger Hochburg der AfD. Hier holte die Partei satte 30,64 Prozent! „Ich kann verstehen, wenn Menschen die AfD wählen“, betont Ennio Di Menco gegenüber DER WESTEN. Der 60-Jährige kommt eigentlich aus Duisburg-Walsum, ist aber häufig in Marxloh unterwegs. Welche Partei er selbst wählt, möchte er öffentlich nicht sagen. Teilweise finde er Ansichten der AfD gut, teilweise eher schlecht: „Ich kann verstehen, wenn die Leute im Duisburger Norden unzufrieden sind. Sehen Sie sich Marxloh an, es ist eine Müllkippe.“


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Ein paar Straßen weiter führt eine junge Frau ihren Hund zum Spaziergang aus. „Ich werde nicht wählen, ich habe mich damit gar nicht befasst“, entgegnet sie, als DER WESTEN sie auf die Bundestagswahl anspricht. Sie winkt ab und läuft schnurstracks weiter.

Güner Mehmet und Ennio Di-Menco wohnen beide in Duisburg. Foto: Charmaine Fischer / DER WESTEN

Gastarbeiter aus der Türkei will Linke wählen

Güner Mehmet hingegen weiß genau, bei welcher Partei er am 23. Februar sein Kreuz macht: bei der Linken. Dass so viele Einwohner im Duisburger Norden der AfD bei der Europawahl 2024 ihre Stimme geschenkt haben, kann er nicht nachvollziehen. „Die AfD ist doch keine demokratische Partei“, betont der 78-Jährige, der seit über 50 Jahren in Marxloh wohnt. Er kam als türkischer Gastarbeiter nach Deutschland, arbeitete viele Jahre für Thyssenkrupp.


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Eine ältere Frau, die lieber anonym bleiben möchte, spricht sich hingegen für die AfD aus: „Es ist alles nicht mehr so der wahre Segen. Man kann sich hier doch nicht mehr wohlfühlen, alles ist schmutzig. Grausam, grausam.“ Die Seniorin lebt bereits seit 40 Jahren in Marxloh. Ob ihr Kreuz letztendlich tatsächlich bei der AfD landet, will sie nicht offen sagen.