In jungen Jahren verunglückte James Dean bei einem Autounfall. Am Mittwoch ist sein 60. Todestag. Der Film „Jenseits von Eden“ machte ihn weltbekannt.
Washington.
Verkehrshinweis mit Kult-Hintergrund: Im Kreuzungsbereich von Highways 41 und 46 nahe der Ortschaft Cholame im US-Bundesstaat Kalifornien kann es Mittwochabend gegen 18 Uhr zu erheblichen Staus, Tränen und Totenwachen kommen. Aber diesmal gilt hoffentlich: Alle wissen, was sie tun. An der Stelle, an der vor exakt 60 Jahren ein Mann viel zu früh sein Leben ließ, der bis heute auf die Sehnsuchts-Konten von Millionen Menschen in aller Welt einzahlt, trifft sich der Fan-Konvoi zur offiziellen „James Dean Erinnerungs-Fahrt“.
Auf dem Programm stehen Stopps an der Tankstelle in Blackwells Corner, an der James Dean zum letzten Mal Benzin in seinen 7000 Dollar teuren silbernen Porsche 555 Spyder füllte und einen Apfel und eine Cola kaufte. Auch dem Straßenabschnitt, wo der zusammen mit seinem deutschen Beifahrer Rolf Wütherich aus dem San Fernando Valley kommende 24-Jährige wegen zu schnellen Fahrens vom Streifenpolizisten Otie Hunter einen Strafzettel bekam, wird ein Besuch abgestattet.
Zusammenstoß bei Tempo 140
Bevor die posthumen Heldenverehrer sich dann an der längst mit gelben Warnlichtern versehenen „Kreuzung der gebrochenen Träume“ still verneigen, an der Dean bei Tempo 140 mit dem schwarz-weißen Ford des Studenten Donald Turnupseed zusammenstieß. Am Ende heißt es Augen trocknen vor einem originalgetreuen Nachbau des kleines Flitzers, auf dessen Heck der Schriftzug „Little Bastard“ prangte, und dann in Salinas Film ab: „Jenseits von Eden.“ Der Andrang nach Mitfahr-Tickets, schreiben die Lokalzeitungen in San Luis Obispo County und Umgebung, „war riesig“. Der Mythos des folgenschwersten Verkehrsunfalls der Kino-Geschichte, er ist einfach nicht tot zu kriegen.
James Byron Dean wird am 8. Februar 1931 geboren. Marion, ein Kaff im klirrekalten Indiana, ist sein Zuhause. Nach dem Krebstod von Mutter Mildred gibt ihn sein Vater, ein Zahntechniker, in die Hände seiner Schwägerin. Da ist er neun. Auf dem Bauernhof der Winslows bei Fairmount verlebt Jimmy Dean eine glückliche Kindheit, ohne Vater. An der Schule fällt er durch zwei Dinge auf. Obwohl klein, spielt der dürre Brillenträger prima Basketball. Im Schultheater erspielt er sich einen Preis nach anderen. James Dean gibt den Bällen ein Korb, studiert in Kalifornien lieber Schauspiel und mäandert mit Auftritten in Werbespots und Nebenrollen durchs Leben. 1952 dann die Aufnahme an der berühmten Schauspielerschmiede von Lee Strasberg in New York. „See the Jaguar“, Deans erstes Bühnenstück, wird wegen Erfolglosigkeit schnell abgesetzt. Aber im Publikum sitzt Elia Kazan. Und ist „hin und weg“ von diesem Blick, der schräg von unten nach oben schauen kann und dabei „Licht in die letzten Winkel der Seele sendet“.
Über Nacht zum Superstar
Der Hollywood-Regisseur muss John Steinbecks Erfolgsroman „Jenseits von Eden“ verfilmen. James Dean wird sein „Cal Trask“ und über Nacht ein Superstar, für den der passend Begriff erst noch geprägt werden muss: „larger than life“ – größer als das Leben. Andy Warhol, der große Pop Art-Künstler, sagte es später so: „James Dean war die perfekte Verkörperung ewigen Kampfes. Ob hier Unschuld gegen Erfahrung, Jugend gegen Alter oder der Mensch gegen sein Abbild kämpfte – in jedem Fall spiegelte er eine Generation von Rebellen wider, die nicht wussten, was sie taten.“
Dabei ist das cineastische Rebellen-Etikett noch immer umstritten. Wer Dean in den nach seinem Tod fertig gewordenen Werken „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ (als Jim Stark) und „Giganten“ (als Jett Rink) sieht, erlebt einen verunsicherten Jungmann, der die traditionelle Familie der 50er Jahre nicht ablehnt. Er hält sie nur für heillos kaputt gewirtschaftet.
Im Privaten erfüllte der bisexuelle James Dean das Image des mal mürrischen, mal streitsüchtig Halbstarken, der mit der lose im Mundwinkel spazieren geführten Zigarette im New Yorker Regen nur den Mantelkragen aufstellen musste, um Anhänger beider Geschlechter geradezu in Hysterie zu versetzen. Von John Dos Passos stammt die anmutigste Beschreibung seiner äußerlichen Merkmale, die bis heute kein Gen-Pool mehr zusammengemischt hat: „die meuternde Frisur, die tiefsitzenden schwimmenden Augen des Ausgestoßenen, den bitteren Ausdruck des Geschlagenen im Gesicht, die Lippen höhnisch verzogen“.
„Ultimativer Vertreter für Coolness“
Dass die Anteilnahme an seinem Abgang bis heute keine Abnutzungserscheinungen kennt und immer noch Millionen-Einnahmen produziert, dass Dean der „ultimative Vertreter für Coolness und Unangepasstheit bleibt“, wie gerade ein Leser des Variety-Magazins schrieb, liegt auch an der Ungnade des frühen Todes. Man stelle sich einmal vor, es gäbe von ihm Spät-Fotos wie die von Elvis Presley: aufgedunsen, pillenverseucht und fett.
Im Programm des mobilen Trauerzugs, der heute Deans Leidensweg nachfährt, fehlt eine Anekdote, die ans Herz geht. Zwei Wochen vor seinem Tod drehte James Dean einen Werbesport für Verkehrssicherheit. Darin riet der passionierte Rennfahrer seinen Altersgenossen, es „langsam angehen zu lassen“. Das Leben, dass „ihr rettet, kann euer eigenes sein“, sagte er mit trockenem Lächeln in die Kamera. Dann fügte er hinzu. „Das Leben, dass ihr rettet, könnte meines sein.“ Könnte.